Was ist das Einspeisevergütungssystem (EVS)?

Definition

Das Einspeisevergütungssystem (EVS) ist seit dem 1. Januar 2018 die geltende gesetzliche Grundlage zur Förderung des Ausbaus der Stromerzeugung aus Erneuerbaren Energien in der Schweiz. Mit dem neuen System soll die Förderung der erneuerbaren Energieerzeugung in der Schweiz kosteneffizienter und marktwirtschaftlicher gemacht werden, ferner soll es die langen Wartelisten für Förderanträge abbauen.

Mit der Novelle des Energiegesetzes (EnG) vom 30. September 2016, in Kraft getreten zum 1. Januar 2018, wurde das bisherige System der kostendeckenden Einspeisevergütung (KEV) durch das Einspeisevergütungssystem (EVS) abgelöst. Die im Rahmen der „Energiestrategie 2050“ beschlossene Massnahme soll den schweizweiten Ausbau der Stromerzeugung aus Erneuerbaren Energien von 4‘400 GWh in 2020 auf 11‘400 GWh in 2035 steigern. 

Das neue Einspeisevergütungssystem ab dem 1. Januar 2018

Mit der Novellierung des EnG zum 1. Januar 2018 beschloss die Bundesversammlung, das Vergütungssystem für Erneuerbare Energien im Rahmen der „Energiestrategie 2050“. Sie soll die äusserst erfolgreichen Entwicklung der Förderung zum Ausbau der Erneuerbaren Energien in der Schweiz marktwirtschaftlicher und effizienter machen. 

Hierzu wurde die bisherige kostendeckende Einspeisevergütung (KEV) durch das neue Einspeisevergütungssystem (EVS) abgelöst. Das EVS passt nicht nur die bestehenden Fördersätze an und strafft die Förderungsfristen, sondern führt auch für Anlagen ab einer bestimmten installierten Leistung die verpflichtende Direktvermarktung des erzeugten Stroms ein. Gleichzeitig wird der Netzzuschlag von 1,5 auf 2,3 Rp./kWh erhöht, um eine bessere Versorgung der Fördertöpfe sicherzustellen. 

Vom kostendeckenden zum kostenorientierten Vergütungssystem

Nur noch bis 2022 werden neue Anlagen ins Fördersystem aufgenommen, gleichzeitig wird der Förderzeitraum für neue Anlagen zur Erzeugung von Strom aus Erneuerbaren Energien von 20 auf 15 Jahre gekürzt, ausgenommen sind Biomassekraftwerke. Kleinstwasserkraftwerke mit einer installierten Leistung von unter 1 MW werden nicht mehr gefördert.

Zum Ausgleich für den verkürzten Förderungszeitraum werden die Vergütungssätze für neue Wasserkraftwerke und Windenergieanlagen erhöht, so dass eine die Vergütung von Neuanlagen rund 80 bis 90 Prozent des bisherigen Satzes entspricht. 

Für die Festlegung des Vergütungssatzes sind künftig auch nicht mehr die Kostendeckung einer Anlage, sondern die Gestehungskosten von Referenzanlagen pro Energieträger massgeblich. Dies verdeutlicht, warum die Formulierung „Kostendeckende Einspeisevergütung“ in der Gesetzesnovelle durch das „Einspeisevergütungssystem“ oder auch die „Kostenorientierte Einspeisevergütung“ ersetzt wurde.

Diese Anlagen können in der Schweiz Einspeisevergütung erhalten

Nach der Reform des EnG vom 1. Janaur 2018 können für die folgenden Anlagen Anträge auf kostenorientierte Einspeisevergütung gestellt werden; ab 100 kW installierter Leistung sind die Anlagenbetreiber zusätzlich zur Direktvermarktung des Stroms verpflichtet. 

  • Windenergieanlagen
  • Landwirtschaftliche und industrielle Biogasanlagen
  • Holzkraftwerke
  • Kleinwasserkraftwerke ab 1 MW installierter Leistung (mit Ausnahmen)
  • Geothermieanlagen

Diese Auswahlkriterien gelten auch für Anlagen, die sich bislang auf der Warteliste befinden, auch wenn die Antragstellung vor dem 1. Januar 2018 erfolgt ist.

Ausnahmen für bestimmte Anlagentypen

Anstelle einer Kostenorientierten Einspeisevergütung stehen einigen Anlagentypen und Energieträgern auf Antrag nun Investitionsbeiträge zur Verfügung, die den Anlagenbetreiber bei der Errichtung der Anlage unterstützen sollen. Dies betrifft:

  • erheblich erweiterte Kehrichtverbrennungsanlagen
  • kommunale Abwassereinigungsanlagen
  • erneuerte oder erheblich erweiterte Kleinwasserkraftanlagen ab 300 kW

Wer ein Holzkraftwerk betreibt, kann sich zwischen der neuen Kostenorientierten Einspeisevergütung und dem Investitionsbeitrag entscheiden. Die zuvor genannten Kleinwasserkraftanlagen können noch bis 2030 Investitionsbeiträge beantragen. 

KLEIV und GREIV: Einmalvergütungen für Photovoltaikanlagen

Die Novelle des EnG vom 1. Januar 2018 teilt die langen Wartelisten der Förderungsanträge für Photovoltaikanlagen nach kleinen und grossen Anlagen auf:

  • Für Anlagen von zwei bis 100 kW gilt die Warteliste „Einmalvergütung für kleine Anlagen“ (KLEIV)
  • Anlagen ab einer Grösse von 100 kW werden durch die Einmalvergütung für grosse Anlagen (GREIV) gefördert.

KLEIV-Wartelisten

Wie das Bundesamt für Energie (BFE) informiert, werden ca. 6‘600 kleine Anlagen, die bis Mitte September 2015 in Betrieb gegangen sind, ihre KLEIV bis Ende 2018 erhalten. 2019 wird die KLEIV für rund 5‘800 Anlagen ausbezahlt, deren Inbetriebnahme bis Ende 2017 erfolgt ist. Anlagen, deren Betriebsaufnahme erst 2018 erfolgt ist, werden wahrscheinlich noch bis zu zwei Jahre auf ihre Einmalvergütung warten müssen.

GREIV

2018 stehen für die Einmalvergütungen von grossen Anlagen 20 Millionen Franken zur Verfügung, was einer möglichen Förderung von 40 MW Photovoltaikleistung entspricht. Die Wartezeit für Neuanmeldungen beträgt derzeit etwa sechs Jahre, da zunächst die Anträge auf den langen Wartelisten in der Reihenfolge ihres Antragsdatums abgebaut werden müssen.

Einführung der Direktvermarktungspflicht für Strom aus Erneuerbaren Energien

Die Reduzierung der Vergütungssätze können die Betreiber durch die neuen Möglichkeiten zur Direktvermarktung des Stroms von Erneuerbaren Energien an der Strombörse kompensieren – und darüber hinaus sogar Zusatzerlöse generieren.

Für Bestandsanlagen ab einer installierten Leistung von 500 kW, die bereits die KEV erhalten und für Betreiber von Neuanlagen ab einer installierten Leistung von 100 kW gilt ab dem 1. Januar 2020 eine Direktvermarktungspflicht für den erzeugten Strom. So soll die Einspeisung bedarfsgerechter, also abhängiger von Strombörsenpreisen und somit dem Netzbedarf, erfolgen und die Förderung marktwirtschaftlicher werden.

Wie wird das Wartelistenproblem gelöst?

Das Bundesamt für Energie (BFE) ist bestrebt, die langen Wartelisten für Förderungsanträge schnell abzubauen. Im September 2017 befanden sich noch 39‘000 Anlagen auf der Warteliste, davon rund 1‘300 Nicht-Photovoltaikanlagen. Diese lange Warteliste wird dem BFE zufolge auch mit den zusätzlichen Mitteln der Energiestrategie 2050 und der Netzzuschlagerhöhung nicht abgebaut werden können.

Realistische Chancen auf eine Förderung haben dem Departement zufolge nur noch jene Projekte, welche 2015 und 2016 auf der Warteliste nach vorne gesprungen sind. Für Projekte aus 2017 ist die Förderung ungewiss, Projekte aus 2018 erhalten höchstwahrscheinlich keine Förderung mehr. Wie das BFE betont, leitet sich aus diesen Daten aber keinesfalls ein Rechtsanspruch ab.

Zukunft des Einspeisevergütungssystems nach 2022

Bis 2022 können schweizerische Betreiber von Anlagen zur Erzeugung von Strom aus Erneuerbaren Energien Anträge auf eine Förderung im Rahmen des Einspeisevergütungssystems stellen – danach wird es nach jetzigem Stand keine neuen Förderungen mehr geben. 

Anlagen, die bereits die KEV erhalten, egal ob in der „kostendeckenden“ oder „kostenorientierten“ Variante, werden davon unberührt bis zum Ende ihres Förderungszeitraums nach 20 Jahren oder nach 15 Jahren bei Antragstellung nach dem 1. Januar 2018 gefördert. Danach gelten für den Strom aus Erneuerbaren Quellen die gleichen Marktbedingungen wie für jeden anderen Energieträger auch.