Wie funktioniert die Direktvermarktung von Strom in der Schweiz?

Definition

Als Direktvermarktung von Strom wird der Verkauf von Strom aus Erneuerbaren Energien am Strommarkt bezeichnet, zum Beispiel am Spotmarkt der EEX. Dort wird der Strom aus regenerativen Quellen gleichberechtigt zum Strom aus konventionellen Quellen gehandelt. Seit dem 1. Januar 2018 sind in der Schweiz Betreiber von Anlagen zur Erzeugung von Strom aus Erneuerbaren Energien verpflichtet, abhängig von Anlagentyp und Anlagengrösse, ihren Strom in der Direktvermarktung zu verkaufen.

Der Anlagenbetreiber erhält bei der Direktvermarktung die Einspeiseprämie, die Strombörsenerlöse und das Bewirtschaftungsentgelt ausbezahlt. Die Summe dieser drei Bestandteile entspricht dabei mindestens den Erlösen, den die Anlage auch im in der alten KEV erzielen würde. Durch gezielten bedarfsorientierten Einsatz und exakte Prognosen bei der Einspeisung lassen sich zusätzliche Mehrerlöse erzielen.

Welche Anlagen sind zur Direktvermarktung ihres Stroms verpflichtet?

Ob eine Anlage zur Direktvermarktung ihres Stroms aus Erneuerbaren Energien verpflichtet ist, hängt zum einen von der installierten Leistung, zum anderen Zeitpunkt der Antragsstellung auf die Förderung durch die KEV ab.

  • Betreiber von Anlagen, die bereits die KEV erhalten, müssen ihren Strom ab einer installierten Leistung von 500 kW einspeisen.
  • Betreiber von Anlagen, die ab dem 1. Januar 2018 neu ins Fördersystem aufgenommen wurden müssen spätestens ab dem 1. Januar 2020 ihren Strom direktvermarkten. Sie sind bereits ab einer installierten Leistung von 100 kW zur Direktvermarktung verpflichtet.

In der Übergangszeit bis zum Eintritt in die Direktvermarktung erhalten die Anlagenbetreiber weiterhin den ganzen Vergütungssatz, zusammengesetzt aus der Einspeiseprämie und dem Referenzmarktpreis, durch die Vollzugsstelle der Swissgrid ausgezahlt. Die bilanzielle Abwicklung der Anlage bleibt in diesem Fall bei der Bilanzgruppe Erneuerbare Energien (BG-EE).

Wie ist ein Wechsel in die Direktvermarktung möglich?

Ein Wechsel in die Direktvermarktung ist ab April 2018 möglich, ausdrücklich jedem Anlagenbesitzer auch ausserhalb der Verpflichtung steht es darüber hinaus frei, freiwillig in die Direktvermarktung zu wechseln. Die Wechsel werden drei Monate nach Antrag durch die Vollzugsstelle der Swissgrid durchgeführt und können auch aufgrund des Bilanzgruppenwechsels nicht mehr rückgängig gemacht werden.

Technisch muss zum Eintritt in die Direktvermarktung und zum Bilanzgruppenwechsel an der Anlage eine Vorrichtung zur Lastgangmessung vorhanden sein, praktisch handelt es sich dabei entweder um eine Schnittstelle oder auch ein Smart Meter. Direktvermarkter wie Suisse Next halten auch eigene Schnittstellen zum Anschluss der Anlagen wie die Next Box bereit. 

Was ist das Bewirtschaftungsentgelt?

Stromproduzenten, die mit ihrer Anlage in die Direktvermarktung einsteigen, erhalten mit der Möglichkeit des Marktzugangs auch die bilanzielle Verantwortung für ihre Einspeisung. Hierdurch entstehen Vermarktungskosten, welche durch die Fahrplanerstellung und Ausgleichsenergie entstehen. 

Diese Kosten entschädigt der Bund durch das sogenannte Bewirtschaftungsentgelt, welches je nach Energieträger in unterschiedlicher Höhe ausgezahlt wird. Die Höhe des Bewirtschaftungsentgelts ist variabel und wird kontinuierlich der Entwicklung des Direktvermarktungsmarkts angepasst. Eine „Überförderung“ durch das Bewirtschaftungsentgelt soll so vermieden werden. 

Höhe des Bewirtschaftungsentgelts je Energieträger (Rappen pro kWh)

Photovoltaik und WindenergieanlagenWasserkraft- anlagenKehrichtverbrennungsanlagen (KEV)übrige Biomasseanlagen
0,55 Rp./kWh0,28 Rp./kWh0,16 Rp./kWh0,28 Rp./kWh

Mögliche Mehrerlöse durch Direktvermarktung

Anlagenbetreiber erhalten in der Direktvermarktung den durch den Verkauf des Stroms an der Strombörse erzielten Strompreis und die Einspeiseprämie für den ökologischen Mehrwert des Stroms aus Erneuerbaren Energien. Diese Prämie wird aus dem Vergütungssatz abzüglich des Referenzmarktpreises ermittelt. Kann der Betreiber nun seinen Strom zu einem höheren Preis als dem Referenzmarktpreis verkaufen, erzielt er höhere Einnahmen in der bisherigen KEV. Dies schafft er vor allem, wenn er sich der Einspeisung seines Stroms netzdienlich verhält, also dann einspeist, wenn besonders viel Strom im Netz benötigt wird. 

KEV & Direktvermarktung von Erneuerbaren Energien in der Schweiz

Neben der Förderung durch das Einspeisevergütungssystem erhalten Stromproduzenten durch die verpflichtende Direktvermarktung also den Anreiz, sich an möglichst kurzfristigen Marktsignalen zu orientieren und die eigene Einspeisung möglichst genau zu prognostizieren. Bei diesen beiden Aufgaben kann der Anschluss an ein Virtuelles Kraftwerk helfen: Dessen Leitsystem erstellt anhand der Preissignale vom Strommarkt automatische Steuerbefehle, welche via Schnittstelle an die Anlage übermittelt werden. Gleichzeitig empfängt das Leitsystem laufend Daten der angeschlossenen Anlagen, die in ihrer Summe eine sehr genaue Prognose der Netzauslastung ermöglichen.

Besondere Einmalvergütungen für Photovoltaikanlagen

Photovoltaikanlagen sind in der Schweiz wie alle anderen Anlagen zur Erzeugung von Strom aus Erneuerbaren Energien verpflichtet ab einer installierten Leistung von 100 kW ihren Strom in der Direktvermarktung an der Strombörse zu verkaufen. Bis zu einer Leistung von 100 kW bleibt die Direktvermarktung optional – allerdings kann und wird nicht für alle PV-Anlagen eine kontinuierliche KEV, sei sie nun kostendeckend oder kostenorientiert, ausgezahlt werden können.

Aufgrund des grossen Andrangs und der langen Wartelisten für die PV-Vergütung werden daher für Solaranlagen sogenannte Einmalvergütungen gezahlt. Diese kommen einem Investitionszuschuss gleich und decken höchstens 30 Prozent der Kosten einer Referenzanlage. Über diesen Zuschuss hinaus werden kleine PV-Anlagen in der Schweiz nicht mehr gefördert. Besitzer von Photovoltaikanlagen, die ihren Strom gewinnbringend verkaufen möchten, sollten sich daher nach einem Direktvermarkter für ihren Solarstrom umsehen.